Der gewerbliche Immobilienmarkt zeigt sich von Marktturbulenzen unbeeindrucktIn München fand vom 4. bis 6. Oktober die Expo Real, die europäische Immobilienmesse, statt. In ersten Statements gleich zum Auftakt der Messe nahmen einige große Beratungshäuser Bezug zu den Turbulenzen, die derzeit am Markt herrschen – und zeigten sich davon weitgehend unbeeindruckt. Zwei Studien von Jones Lang LaSalle und BNP Paribas Real Estate kommen zu dem optimistischen Schluss, dass 2011 die Volumina der Transaktionen auf dem deutschen Investmentmarkt für gewerbliche Immobilien (LaSalle 24 Milliarden Euro, BNP 22 Milliarden Euro) die Zahlen aus dem Vorjahr deutlich übertreffen werden. Zwar sind diese Werte noch ein gutes Stück von jenen entfernt, die vor dem Ausbruch der Finanzkrise 2008 geschrieben wurden, doch ließen die derzeitigen Kaufverhandlungen erwarten, dass „sich die Dynamik im vierten Quartal fortsetzen wird“, wie Marcus Lemli von Jones Lang LaSalle Deutschland erklärte. Aus diesem Grund trägt die Studie von Jones Lang LaSalle auch den mindestens zweckoptimistischen Titel: „Wird die Katastrophe herbeigeredet?“ Das zu behaupten wäre sicher ein wenig übertrieben. Doch tatsächlich ist der deutsche Investmentmarkt für gewerbliche Immobilien, mit der wichtigste in Europa, von Marktturbulenzen und Schuldenkrise kaum eingeschüchtert. Zu diesem Ergebnis kommt auch die BNP Paribas Real Estate Deutschland, wie ihr Geschäftsführer Piotr Bienkowski sagte: „Deutschland profitiert nach wie vor von den guten gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen und der Stabilität im Vergleich zu anderen Ländern“. Gleichzeitig räumte er jedoch ein, dass sich die Transaktionen in erster Linie auf vollvermietete Immobilien in erstklassigen Innenstadtlagen der Metropolen konzentrierten. Ob die zuversichtlichen Analysen von Jones Lang LaSalle und BNP Paribas Real Estate überall ungeteilte Zustimmung finden, darf in der Tat bezweifelt werden. Denn Fakt ist, dass die gewerblichen Immobilienmärkte immer mit einem gewissen chronologischen Verzug agieren. Die meisten dieser Märkte haben sich eben erst von der tiefen Talsohle der Finanzkrise von 2008 und 2009 erholt, nun könnte diese Entspannung von den derzeitigen Geschehnissen der Schuldenkrise ausgebremst werden. Der Boom in diesem Segment kann also jäh vorbei sein, noch ehe er richtig Fahrt aufgenommen hat. |

