Wertverfall in der Einflugschneise: kein Grund für Makler-PessimismusLärm wirkt sich, ist man ihm länger ausgesetzt, negativ auf die Gesundheit aus. Wissenschaftlich ist dieser Umstand längst erwiesen. Lärm wirkt sich aber auch negativ auf die Wertentwicklung von Immobilien aus –nicht, weil etwa eine Straßenbaustelle für ein paar Wochen die Bewohner morgens ab 7 Uhr auf Trab bringt. Dazu bedarf es schon langfristiger Lärmbelästigung mit einer Lautstärke von über 50 Dezibel.
Am Rande deutscher Großstädte kommt es deswegen regelmäßig zu neuen Diskussionen, zu Protesten und Bürgerinitiativen. Etwa, wenn in Frankfurt eine neue Startbahn gebaut werden soll, oder – ganz aktuell – wenn in Berlin der Kleinflughafen Schönefeld zum Großflughafen BBI ausgebaut wird. Die „Märkische Allgemeine“ stellte darum im Juni 2011 fest: „Der Umgang mit Fluglärm ist ein fester Bestandteil der Immobilienmärkte geworden.“ Derzeit besonders bedroht sind Immobilien an der Berlin/Brandenburger Landesgrenze in Stahnsdorf, Teltow und Kleinmachnow, südlich des Berliner Bezirks Zehlendorf. Hier in der Einflugschneise von Schönefeld, zehn bis fünfzehn Kilometer westlich des neu zu entstehenden Großflughafens, sind Immobilien besonders vom Wertverfall bedroht. Die „Märkische Allgemeine“ zitierte einen Experten, der den Wertverfall von Immobilien in der Umgebung des Flughafens Frankfurt am Main auf beachtliche 1,65 Prozent veranschlagt – pro Dezibel. Sollte sich die Lärmbelastung in den drei genannten Orten und Umgebung also nach der Eröffnung von BBI um 15 Dezibel erhöhen, würden die Werte der Immobilien um fast 25 Prozent gemindert. Ein wahnsinnig großer Verlust für Immobilienbesitzer. Immobilienmakler sind von diesen Zahlen natürlich ebenfalls betroffen. So versuchen viele Immobilienbesitzer etwa, ihre Objekte zu verkaufen, bevor die Wertminderung einsetzt, und die beauftragten Makler stehen vor einem großen Problem. Alles Gründe für haltlosen Pessimismus? Mitnichten – sagte Immobilienmakler Gerhard Richter aus der Nähe von Frankfurt Anfang 2009 der „Frankfurter Rundschau“. Wo neue Großflughäfen oder Landebahnen geplant seien, würden die Preise schon zurückgehen, so Richter, doch konnte er in Frankfurt damals beobachten, dass „keiner sein Haus nur wegen der neuen Landebahn“ verkaufe. In Flörsheim, einem der betroffenen Orte, wurden Richter zufolge seinerzeit nicht mehr und nicht weniger Häuser und Wohnungen verkauft als sonst. |

