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Am falschen Ende gespart

Euro-Krise? Inflation? Ja, gibt es. Doch die Deutschen sind wie immer kreativ, wenn es darum geht, das Geld zu sichern und als langfristige Anlage vom unsicheren Finanzmarkt zu nehmen. Stattdessen setzen viele Menschen in diesen Zeiten, welche noch dazu steigende Immobilienwerte verheißen, darauf, ihre sauer verdienten Euros in Häuser und Eigentumswohnungen zu investieren.

Die Immobiliengesellschaften der zehn Landesbausparkassen, gleichzeitig die größte Maklergruppe im Lande, „verzeichneten vergangenes Jahr im Vermittlungsgeschäft ein Wachstum von zehn Prozent“, schreibt Richard Haimann in der „Welt“, und die Investition in Immobilien ist grundsätzlich erst einmal nicht unvernünftig. Unvernünftig ist nur, was viele nicht tun: die notwendigen Versicherungen abschließen.

Für viele ist ein Hauskauf die Lebensinvestition schlechthin. Oft geschieht der Kaufakt, weil die Menschen sich ängstigen, dass das Geldvermögen nicht von dauerhaftem Wert bleibt. Umso fraglicher ist, warum viele Immobilienbesitzer den Abschluss relevanter Versicherungen fürchten. Nach einer Statistik des GDV, des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft, haben nur vier Fünftel der Immobilienbesitzer ihr Objekt ausreichend versichert. Wobei dieses „ausreichend“ sofort fraglich wird, wenn man sich eine andere Zahl vor Augen führt. Denn nur 30 Prozent aller Hausbesitzer halten eine so genannte Elementarschadenversicherung. Und nur diese hilft, wenn Hochwasser, Erdrutsche, Starkregen oder Erdbeben größere Schäden am Haus anrichten.

Immerhin vier von fünf Hausbesitzern sind mit einer Wohngebäudepolice ausgestattet, die dann auf den Plan tritt, wenn Sturm, Hagel oder Feuer wüten oder Wasserleitungen in den Wänden platzen. Heißt im Umkehrschluss: 20 Prozent stehen in einem dieser Fälle völlig blank da. Christian Lübke, Schadensversicherungsexperte beim GDV, sagte gegenüber der „Welt“ hierzu klipp und klar, dass diese Fahrlässigkeit eben auch den völligen finanziellen Ruin für den Immobilienbesitzer bedeuten kann.

Haimann hat ermittelt, dass der Abschluss einer Wohngebäudeversicherung mit Elementarschadenschutz gar nicht mal so sehr teuer sein muss; demnach soll eine Police gegen Totalschaden für ein 150 Quadratmeter großes Haus in Dresden jährlich nur 113 Euro kosten. Selbst in Köln könne man eine solche Versicherung für etwa 200 Euro im Jahr abschließen, so Haimann weiter.

Pech hat dagegen, wer Hausbesitzer in einer Region ist, die regelmäßig von Hochwasser heimgesucht wird. Ein Elementarschadenschutz wird hier von vielen Versicherungen gar nicht erst angeboten – und wenn doch, ist eine extrem hohe Eigenbeteiligung Bestandteil des Vertrags. Der GDV allerdings hat ermittelt, dass nur etwa ein Prozent aller deutschen Immobilien in einer entsprechenden Zone liegt; man sollte vom Erwerb eines Hauses in einer Hochwasserregion allerdings tunlichst absehen. Ein Anruf bei der Assekuranz genügt aber bereits, um sich schlau zu machen, ob das Objekt der Begierde gegen Hochwasser versichert werden kann. Denn die ganze Republik wurde von den führenden Versicherern in so genannte ZÜRS-Zonen unterteilt, wobei ZÜRS für „Zonierungssystem für Überschwemmung, Rückstau und Starkregen“ steht. In der ZÜRS-Zone IV, wo statistisch einmal pro Jahrzehnt Hochwasser droht, sind Immobilien entweder gar nicht oder wenn, dann nur gegen einen entsprechend hohen Eigenbehalt versicherbar.

So oder so will der Erwerb einer Immobilie gut überlegt sein. Für Zone IV gilt das in besonderem Maße. Im Übrigen bleibt nur zu hoffen, dass sich in Zukunft mehr Hauseigentümer darüber bewusst werden, dass ein Schadensfall ohne Versicherung den wirtschaftlichen Kollaps bedeuten kann – egal, in welcher ZÜRS-Zone das Eigenheim auch erbaut wurde.