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Spanische Schnäppchen

Für ein knappes Viertel aller Deutschen liegt das Schöne nah, sehr nah, weswegen dieses knappe Viertel auch im Urlaub nicht daran denkt, in die Ferne zu schweifen. Das „Handelsblatt“ weiß demnach: Rund 24 Prozent bleiben im Sommerurlaub im eigenen Land, sei es an Nord- bzw. Ostseeküste, im Voralpenland, im Schwarzwald oder gleich im Freibad um die Ecke oder gar in Balkonien.

Fünfeinhalb Prozent derer, die eine weite Reise nicht scheuen, fahren nach Italien, grob sechs Prozent in die Türkei, und immerhin 8,8 Prozent – ungefähr jeden elften Deutschen – zieht es nach Spanien, in das nach Deutschland beliebteste Urlaubsland der Teutonen.

Die meisten Touristen suchen einfach für eine nette Bleibe zur Miete für ihre sieben bis vierzehn Tage Urlaub, in denen sie dem Alltag entfliehen wollen. Doch für diejenigen, die den Kauf eines Ferienhäuschens in Andalusien, eines Appartements in Katalonien oder einer Finca auf den Balearen in Betracht ziehen, für die gibt es in diesen Tagen im Sommer 2011 die richtig guten Nachrichten: Schnäppchenpreise! Bis zum Ende des Jahres 2007 war das noch anders, die Preise stiegen und stiegen und stiegen. Wer etwa in den späten Neunzigern eine Immobilie in Spanien erworben hatte, konnte sich noch 2007 mit einem Gewinn von bis zu 200 Prozent veräußern. Dann allerdings kam die Immobilienkrise über die Welt, und besonders starke Auswirkungen zeigte sie auf der iberischen Halbinsel und auf den Balearen. Die spanischen Sparkassen (Caixas) bzw. deren Immobilientochter finden seit über drei Jahren keine Käufer mehr, die bereit wären, den Originalpreis zu zahlen. Das bedeutet, die „Institute sitzen auf einem Berg unverkäuflicher Immobilien“, wie es Peter Schöllhorn von der Deutschen Schutzvereinigung Auslandsimmobilien (DSA) gegenüber „Welt Online“ ausdrückt.

Doch weil die Arbeitslosigkeit in Spanien im zweiten Quartal 2011 bei knapp 21 Prozent lag, weil Steuervergünstigungen ausgehebelt und die Mehrwertsteuer erhöht und die Gehälter im Öffentlichen Dienst gleichzeitig gesenkt wurden, leiden die Spanier unter zu geringer Kaufkraft, als dass daran zu denken wäre, sich mit Immobilien einzudecken. Und seitdem stürzten die Preise in den Keller. Nun setzen die Caixas auf den Verlustverkauf, frei nach dem Motto „lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende“. Weg mit den Immobilien und im Gegenzug die Finanzspritze der spanischen Regierung einsacken, die diese auspacken muss, um den Finanz- und Immobiliensektor im Land am Leben zu erhalten. Dass sich das Land so noch tiefer in die Schuldenspirale begibt, ist nun einmal so –investitionsfreudige Ausländer müssen sich damit allerdings nicht befassen. Immer mehr Objekte werden jetzt auch in Deutschland angeboten.

Für die Region Alicante in der autonomen Region Valencia etwa hat immonet.de eine Ferienwohnung mit 40 Quadratmetern im Angebot – für schlappe 45.000 Euro. In ähnlichen Preiskategorien gibt es aber auch bereits eine Finca am Meer, auch wenn die Preise auf den balearischen Inseln so langsam wieder nach oben gehen. Doch davon ist momentan eher das oberste Segment der Kategorie Luxusimmobilien betroffen, so sollen sich nach Informationen des Hamburger Immobilien-Dienstleisters Engel & Völkers etwa auf Ibiza die Objekte seit dem Sommer 2010 um zehn Prozent verteuert haben. Für Menorca und Mallorca gilt in etwas das Gleiche. Allerdings sollen die mittelklassigen Objekte auf den drei Baleareninseln immer noch wahre Schnäppchen sein, so Marcus von Busse, der Geschäftsführer von Engel & Völkers in Spanien gegenüber der „Welt Online“. Demzufolge sind die Preise in diesem Segment seit letztem Sommer noch einmal um zehn Prozent zurückgegangen.

Peter Schöllhorn von der DAS sagte der Internetzeitung gegenüber jedoch, dass Interessenten jetzt nicht überstürzt handeln sollten, da „der Markt die Talsohle noch längst nicht erreicht“ habe. Wenn nämlich die Europäische Zentralbank (EZB) weiterhin die Zinsen anhöbe, würden noch weitere Immobilien auf den Markt kommen, da die meisten spanischen Investoren den Hausbau mit variablen Krediten finanziert hätten. Was bedeutete, dass viele Menschen in Spanien die Darlehen nicht mehr bedienen könnten und die Objekte an die Caixas zurückfielen, die die Immobilien dann ihrerseits wieder auf den Markt bringen müssten wie oben geschildert. Die Preise dürften also weiter fallen.